Internationaler Tag der Muttersprache

Verein Deutsche SpracheDie UNESCO macht seit dem Jahr 2000 mit dem Internationalen Tag der Muttersprache jährlich auf die Bedeutung von Sprachenvielfalt aufmerksam. Derzeit seien von den rund 6.000 weltweit gesprochenen Sprachen über 2.500 vom Aussterben bedroht. 576 Sprachen würden nur noch von der Generation der Großeltern gesprochen. 90 Prozent der Sprachen nutzten weniger als 100.000 Menschen. Gründe für das Sprachensterben seien Verstädterung, Migration und Vermischung der Sprachen. In Deutschland seien Nord- und Saterfriesisch „ernst bedroht“. (www.unesco.de)
Zum Schutz der gefährdeten Mundarten Rhein- und Moselfränkisch organisierte im Saarland die Initiative „muddaspròòch“ in Kooperation mit dem Saarländischen Rundfunk eine zentrale Veranstaltung mit Lesungen, Mundartmusik und Diskussionen. (muddaschprooch.geheichnis.de)
In der Bildzeitung erklärte der Linguist Anatol Stefanowitsch „10 Dinge, die Sie über Ihre Muttersprache wissen sollten“ und beschrieb u.a., was Muttersprache ist, ob sie verlernt werden kann und wie viele Muttersprachen ein Mensch haben kann. Auf die Frage nach dem Zusammenhang von Identität und Sprache erklärte Stefanowitsch: „Selbst in einer Fremdsprache, die wir perfekt beherrschen, können wir uns normalerweise nicht so gut und genau ausdrücken wie in unserer Muttersprache. Insofern könnte man durchaus sagen, dass wir nur in unseren Muttersprachen ganz wir selbst sein können.“ Den Artikel kann man sich hier in fünf Dialekten vorlesen lassen.
Zudem erschienen in der „Bild“ weitere Artikel zum Thema. Hier sprechen 16 Redakteure einen Satz in Mundart. Ein anderer Beitrag präsentiert 10 Musiker und Lieder in deutscher Mundart (www.bild.de). Ein weitere Artikel geht der Frage nach, warum Sächsisch unbeliebt ist (www.bild.de). Einen Wissenstest über Muttersprachen gibt es hier.
Das Münchener Boulevardblatt „tz“ veröffentlichte zum Internationalen Tag der Muttersprache eine komplette Ausgabe auf Bairisch, was die Leser lobten (www.tz.de). Chefredakteur Rudolf Bögel sprach sich für Bairisch aus: „Nicht zuletzt deshalb, weil man auf Bairisch manche Dinge noch sehr charmant ausdrücken kann, die in der Hochsprache schon ein klassischer Fall für eine Beleidigungsklage wären. (…) Wir sehen die Ausgabe durchaus auch als lebendigen Beitrag zur Diskussion ums Dialektsterben.“ Experten wie Ludwig Zehetner, Sepp Obermeier und Gereon Motyka betreuten die Ausgabe mit. (www.focus.de, http://www.zeit.de, http://www.tz.de)
Sepp Obermeier, Vorsitzender des Bundes „Bairische Sprache“, rief dazu auf, „zu sprechen, wie einem der Schnabel gewachsen ist“. Es sei ein „Abklatsch“, wenn sich „echte“ Bayern sprachlich verstellten, wie etwa die Skifahrer Maria Höfl-Riesch und Felix Neureuther im Fernsehen. Obermeier wetterte: „Im Nee-, Nö-, Nich-Wettbewerb würden sie mühelos eine Medaille holen“. (www.shortnews.de)
Der VDS rief in Kooperation mit der Partnerorganisation Europäische Bewegung Deutschland (EBD) dazu auf, zur Europawahl am 25. Mai ein Parlament zu wählen, das die Sprachenvielfalt Europas stärkt. VDS-Vorstandsmitglied Dr. Dietrich Voslamber erklärte: „Wir unterstützen die Kampagne, weil die Sprachenvielfalt generell und die deutsche Sprache im Besonderen ein wichtiges Thema der Europawahl sein sollte. In den nächsten Wochen werden wir die Parteien und Kandidaten der EU-Wahl nach ihrer Einstellung zur Stellung der deutschen Sprache befragen“. Zudem wolle der VDS darauf hinwirken, dass über das Thema auch im Wahlkampf verstärkt diskutiert wird.

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