Neue Ermittlungen zum Attentat auf das Oktoberfest

WeisserRingDer Anschlag auf das Münchener Oktoberfest lag 34 Jahre zurück, als Generalbundesanwalt Hartmut Range im Dezember 2014 die Ermittlungen wieder aufgenommen hat. Zeugenaussagen weisen darauf hin, dass die ohnehin stets umstrittene Einzeltäter-Theorie nicht aufrecht erhalten werden kann und dass es doch bisher unentdeckte Mittäter geben muss.
Der 21-jährige rechtsradikale Student Gundolf Köhler war bei dem Attentat am 26. September 1980 ums Leben gekommen, bei dem mit ihm zwölf Besucher starben. 211 Menchen wurden an jenem Abend kurz vor der Schließung der Festzelte verletzt, 68 von ihnen schwer.
Köhler hatte, so viel wurde damals bekannt, Kontakte zur „Wehrsportgruppe“ des Rechtsextremisten Karl-Heinz Hoffmann. Zwei Jahre nach dem Attentat endeten die Ermittlungen mit der Feststellung, Köhler habe als Einzeltäter gehandelt. Eine abgerissene Hand, die 25 Meter vom Explosionsort entfernt gefunden wurde und die zu keinem der bekannten Opfer gehörte, wurde Köhler damals zugeordnet aufgrund von Fingerabdrücken an seinen Studienunterlagen. Dieser Fingerabdruck wurde allerdings nur dort, nicht etwa an dem Fahrzeug, mit dem er zum Tatort gefahren war oder weiteren Stellen in seiner Wohnung gefunden.
Opferanwalt Werner Dietrich und der Fernsehreporter Ulrich Chaussy recherchierten über die Jahre weiter zu dem Fall. Chaussy hatte zum Beispiel mit dem ehemaligen Sprengstoffexperten des Bundeskriminalamtes, Gerd Ester gesprochen, der die Bombe mit Kollegen rekonstruiert und letztlich zur Explosion gebracht hat. Das Ergebnis: Köhlers Hände müssen durch die Detonation atomisiert worden sein. Es könne keine Hand des Täters geben, die man später hätte finden können.
Es meldete sich im letzten Jahr eine Zeugin, die als frisch examinierte Krankenschwester 1980 an einem Krankenhaus in Hannover einen jungen Patienten erlebte, dem der rechte Unterarm abgerissen war- und darauf recht stolz gewesen zu sein schien. Er saß zunächst wie ein Held im Bett und verschwand nach einigen Tagen ohne offizielle Entlassung aus dem Krankenhaus. Er war einer der ersten Patienten der damals zo-Jährigen, deshalb erinnert sie sich gut an ihn. Er hatte erklärt, die Verletzung habe mit Sprengstoff-Spielerei zu tun.
Die Hand selbst allerdings ergab nur die eine Spur zu Köhlers Papieren. Eine serologische Zuordnung zu Köhlers Leiche war nicht möglich, las der Journalist Chaussy in den Akten. Das Gutachten fand er allerdings nicht darin. Und auch die Hand selbst ist verschwunden. 2009 hatte die Bundesanwaltschaft Chaussy mitgeteilt, die vorhandenen Asservate seien zwischenzeitlich vernichtet worden, ein .Handfragment“ sei nicht darunter gewesen.jaz.net schrieb in der Vora bberichterstattu ng über Chaussys Fernsehdokumentation „Attentäter – Einzeltäter?“ am 4. Februar dazu:“Ob die Bundesanwaltschaft das Rätsel der Hand nach derWiederaufnahme des Falles lösen kann, ist nicht nur eine kriminalistische Frage. Es geht um nichts weniger als den Vorwurf, die staatlichen Instanzen seien lange Zeit zu nachlässig mit rechtsterroristischen Gefahren umgegangen – und das gebe eine unheimliche Kontinuität des Staatsversagens vom Oktoberfestattentat bis zu den Morden des ‚Nationalsozialistischen Untergrunds.“

Hilfe auch vom WEISSEN RING
Die Opfer des Anschlags erhielten damals schnelle Hilfe, von den Bürgern der Stadt und vom WEISSEN RING, daran erinnerte eine Broschüre der Stadt München „26. September 1980 – Das Oktoberfest-Attentat“, das zum 30. Jahrestag 2010 erschien. An der Gedenkveranstaltung vor vier Jahren nahm der langjährige WR-Mitarbeiter Arved Semerak, Polizeipräsident a. 0., teil und berichtete als Zeitzeuge über die Tat und die Arbeit des Vereins.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.