Überraschende Erkenntnis?

DemografieDemografischer Wandel: Zuwanderung allein ist keine Lösung

Der demografische Wandel falle anders aus als lange vorhergesagt, so Innenminister de Maizière. Es
würden mehr Kinder geboren, Fachkräfte fehlten lediglich in bestimmten Bereichen. Dagegen gehe es
bei der Aufnahme von Flüchtlingen um humanitäre Hilfe – und nicht darum, „unsere demografischen
Probleme zu lösen“.

Lange seien zu wenig Kinder geboren worden. Junge Paare hätten sich gegen Kinder entschieden, so
Bundesinnenminister Thomas de Maizière mit Blick auf die demografische Entwicklung in Deutschland.
Die Bundesregierung habe mit zahlreichen Maßnahmen versucht, ein kinderfreundlicheres Klima zu
schaffen, wie etwa mit dem Ausbau der Kinderbetreuung. Das sei aktive Demografiepolitik, betonte
der Minister beim Demografiekongress in Berlin.
Integration gehört zur Demografiepolitik
Bei der Aufnahme von Flüchtlingen gehe es dagegen um Völkerrecht und humanitäre Hilfe. „Wir nehmen
keine Flüchtlinge auf, um unsere demografischen Probleme zu lösen“, sagte er. „Auf Krieg, Flucht
und Vertreibung darf man keine Demografiepolitik aufbauen.“
Wie sich Wachstum und Wohlstand im Land entwickelten, hänge davon ab, wie Integration gelinge.
Somit sei Integrationspolitik auch Demografiepolitik. Aufenthaltsrecht, Unterbringung, Sprache,
Wertevermittlung und Ausbildung seien entscheidend für eine erfolgreiche Integration. Wer sich
darauf einlasse, habe alle Chancen in Deutschland.
Bei Prognosen künftiger Entwicklungen sollte eine größere Bandbreite an Zukunftsszenarien bedacht
werden, mahnte de Maizière. Zurzeit falle der demografische Wandel anders aus als lange
vorhergesagt. Es würden mehr Kinder geboren, der prognostizierte flächendeckende Fachkräftemangel
sei noch nicht eingetreten. Fachkräfte fehlten lediglich in bestimmten Berufsbereichen. Im Zuge der
hohen Zuwanderung sei im Jahr 2015 auch die Zuwanderung von EU-Ausländern gestiegen.
Die Politik müsse sich auf wechselnde Szenarien einstellen. Fakt sei jedoch: Zuwanderung könne nur
langfristig und punktuell den demografischen Wandel abfedern. Wichtig sei jedoch die Frage: Wie
wirkt sich der demografische Wandel auf die ganze Gesellschaft aus?
Zusammenhalt der Gesellschaft entscheidend
Entscheidend für Erfolg und Misserfolg der nächsten Jahrzehnte sei der Zusammenhalt der
Gesellschaft. Bei allen Diskussionen und Streit um richtige Lösungen müsse man respektvoll
miteinander umgehen, betonte de Maizière. Bei der Lösung anstehender Probleme stehe an erster
Stelle stehe die Erfüllung von Aufgaben, nicht die Erfüllung von Standards. Dies gelte zum Beispiel
für die Modernisierung der Verwaltung, wenn es darum gehe, auch in ländlichen Räumen die
notwendigen Dienstleistungen anzubieten.
Zentrale Herausforderung für den Wohnungsbau
Für Bundesbauministerin Barbara Hendricks ist der demografische Wandel eine zentrale
Herausforderung für den Wohnungsbau. Neubau, aber auch Aufstockung und Verdichtung von Bestand
müsse man vorantreiben.
Der altersgerechte Umbau müsse weiterhin gefördert werden. Ein Schwerpunkt müsse auch die soziale
Stadtentwicklung sein. Gerade habe die Bundesregierung die ressortübergreifende Strategie Soziale
Stadt verabschiedet. Damit würden die zahlreichen Maßnahmen und Programme der Bundesregierung
gebündelt, der „Programmitis“ werde so ein Ende gesetzt.

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