An der Entlastung des Zugpersonals führt also kein Weg vorbei!

gdl„Wir haben klar aufgezeigt, wohin die Reise in der Tarifrunde 2016 mit der Deutschen Bahn geht“, so der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) Claus Weselsky nach der ersten Verhandlung zum Flächen- und den Haustarifverträgen für das Zugpersonal unter dem Motto „Mehr Plan, mehr Leben“ am 10. Oktober 2016 in Berlin.


Zwei zusammenhängende freie Tage die Woche

Nicht auf dem Entgelt liegt der Schwerpunkt. Moderate vier Prozent fordert die GDL auf die Tabelle. Vielmehr müssen die Arbeitszeitregelungen für das gesamte Zugpersonal der DB deutlich verbessert werden. Unzählige Überstunden und sich dauernd ändernde Schichtpläne führen zur permanenten Überlastung des Zugpersonals. Weselsky. „Schon heute werden in einigen Betrieben bis zu 200 Euro gezahlt, nur damit Lokomotivführer Sonderschichten fahren, sonst würde der Eisenbahnbetrieb zusammenbrechen. Was im Bürojob gang und gebe ist – dass die Mitarbeiter jedes Wochenende zwei Tage freihaben – ist beim Zugpersonal überhaupt nicht vorstellbar.“ Die GDL kämpft jetzt für zwei zusammenhängende freie Tage in jeder Woche und für größere Mindestabstände zwischen Schichtfolgen. Besonders wichtig ist auch ein verbindlicher Jahresruhezeitplan für das ganze Kalenderjahr mit dem geplanten Urlaub sowie allen tariflichen Ruhen. „Wir haben Kollegen, die noch nicht einmal zur Einschulung ihres Kindes frei bekommen haben“, so Weselsky.

Zugpersonal dann nicht mehr vollflexibel einsetzbar
DB-Personalvorstand Ulrich Weber behauptete, die Forderungen der GDL seien im Schichtdienst nach erster Bewertung nicht praktikabel, würden den Interessen der Mitarbeiter nicht gerecht und seien nicht finanzierbar.
„Erstens resultieren diese Schutzbehauptungen aus der Annahme, dass nicht gehen kann, was nicht gehen darf“, so der Bundesvorsitzende. Der Arbeitgeber fürchtet – zu Recht – dass er die Vollflexibilität der Arbeitnehmer des Zugpersonals eben nicht länger einseitig für sich ausnutzen kann und die Fenster für Sonderschichten und Überstunden spürbar minimiert werden.
Lokomotivführer und Zugbegleiter arbeiten seit Jahren nach den Schichtplänen, die das Papier nicht wert sind, auf dem sie stehen und schieben Millionen Überstunden vor sich her. Zweitens hat die GDL ihre Forderungen sorgfältig erstellt und auf Umsetzbarkeit geprüft. GDL-Bundesvorsitzender: „Sie sind selbstverständlich umsetzbar!“ Statt einer Simulation auf Basis der heutigen Schichten erfordert eine ernstzunehmende Analyse der GDL-Forderungen allerdings eine virtuelle Umstellung aller Schichten, Schichtfolgen und Ruhezeitregelungen auf die neue Systematik. Drittens hilft auch die reflexartige Behauptung nicht, es sei kein Geld da. Mehr als eine Milliarde Euro Gewinn (plus 13 Prozent), mehr Fahrgäste, mehr Umsatz verkündete die DB noch zur Halbjahres-Bilanz-Pressekonferenz im Juli.

Überstunden tatsächlich abbauen
Die Überstunden müssen tatsächlich abgebaut werden, denn bisher findet dies nur auf dem Papier statt. Die meisten Überstunden wurden abgekauft oder sind in Langzeitkonten verschwunden. Die hohe Belastung ist somit nicht weniger geworden. GDL-Bundesvorsitzender: „Wenn die DB die massiven Arbeitszeitprobleme nicht in den Griff bekommt, wird sie auch nicht mehr genügend junge Leute finden, die Lokomotivführer oder Zugbegleiter werden wollen und dann gibt es noch mehr Probleme, denn schon heute fehlen 800 Lokomotivführer bei der DB. Das ist ein Teufelskreis, der durchbrochen werden muss. An der Entlastung des Zugpersonals führt also kein Weg vorbei!“

Die Tarifverhandlungen werden am 25. Oktober 2015 in Frankfurt fortgesetzt.

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