„EuGH-Urteil sorgt für Verwirrung in westfälischen Apotheken“

logo-gesundheitApothekerverband: Verbot des Versandhandels für Arzneimittel gefordert – NRW soll Bundesratsinitiative unterstützen

Das Urteil des Europäischen Gerichtshofes über das Ende der Preisbindung für ausländische Arzneimittelversender in Deutschland führt zu erheblicher Verwirrung bei Patienten und Verbrauchern in den 2.000 westfälischen und lippischen Apotheken. Das berichtet der Apothekerverband Westfalen-Lippe. „Tatsächlich ändert sich in deutschen Apotheken nichts, für uns gilt weiter die Preisbindung bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln“, so Vorsitzender Dr. Klaus Michels. Er sieht die politischen Reaktionen auf das umstrittene und für das deutsche Gesundheitswesen höchst brisante EuGH-Urteil vom vergangenen Mittwoch (19. Oktober) positiv.

Michels: „Die deutsche Politik hat verstanden, was auf dem Spiel steht. Es geht um die sichere Versorgung mit Arzneimitteln in allen Regionen des Landes durch Präsenzapotheken. Inzwischen droht aber auch weiterer Europa-Verdruss, den wir nicht brauchen“, sagte Michels, „wenn es einem europäischen Gericht gelingen sollte, in Deutschland ein bewährtes, vom Gesetzgeber und allen politischen Kräften gewolltes und von den höchsten Gerichten bekräftigtes System des Verbraucherschutzes zu zerschlagen, dann werden die europafeindlichen Kräfte weiteren Auftrieb erhalten.“

Eine politisch wirksame Waffe gegen das Urteil sei ein gesetzliches Verbot des Versandhandels zumindest mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, das europarechtlich auch möglich sei. Michels forderte die nordrhein-westfälische Landesregierung auf, eine entsprechende Initiative Bayerns im Bundesrat zu unterstützen. Auch aus der Berliner Regierungskoalition von Union und SPD hat es bereits entsprechende Signale gegeben, um die vom EuGH ausländischen Versendern erlaubten Rabatte auf verschreibungspflichtige Arzneimittel wieder abzuschaffen. Westfalen-Lippe werde sich an einer bundesweiten Aktion der deutschen Apotheker beteiligen, sagte Michels.

Anderenfalls stelle die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs eine akute Gefahr für „das flächendeckende Apothekennetz in allen Regionen Deutschlands“ dar. Die in Deutschland weiter gültige Preisbindung sorge auch dafür, dass Medikamente nicht zu teuer werden, Krankenkassenbeiträge und Versicherungen bezahlbar bleiben. „Viele kleinere der rund 2.000 Apotheken in Westfalen-Lippe haben heute schon keinen wirtschaftlichen Spielraum mehr.
beipress_logoSie bieten allerdings ein Vollsortiment, beraten, stellen patientenindividuelle Arzneimittel her, leisten Nacht- und Notdienste. Wenn Versandhändler sich die Rosinen rauspicken dürfen, werden Apotheken und letztlich die Patienten die Folgen ausbaden müssen.

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