Dresdens OB: „Dresden war keine unschuldige Stadt!“

DresdenSchon die Bibel kannte ihre Pharisäer, sie berichtet auch in mehrfacher Weise, wie Gott sein Volk bestraft haben soll, wenn es sich ihm als ungehorsam erwiesen hat.

In Bußen und Selbstkasteiungen wollte das Volk dann seinen biblischen Berichterstattern zufolge ihm gegenüber wieder gut machen, was es glaubte, verbrochen zu haben.

Ähnlich verhielt sich das französische Volk nach dem verlorenen Waffengang im Krieg von 1870/71 gegen das darauf gegründete neue Deutsche Kaiserreich.

Sie sahen sich als von Gott für ihre Sünden bestraft und bauten ihm zum Wohlgefallen auf den höchsten Hügel Montmartre in Paris die wunderschöne Basilika Sacré-Cœur.

Unterwürfigkeit und Selbstbeschuldigung nach einem verlorenen Krieg ist also nichts Neues in der Weltgeschichte und so ist das dem nicht unähnliche Verhalten vieler Deutschen nach dem 2. Weltkrieg durchaus nachvollziehbar.

Denn gewiß ist es immer angebracht, über die Fehler der Vergangenheit nachzudenken, in sich zu gehen und vor allen, daraus für die Zukunft zu lernen.

Wenn dieses aber zur heuchlerischen Selbstkasteiung ausartet, mit der man das vermeintliche Fehlverhalten in den eigenen Familien zu Lasten anderer bewältigen will, dann hat das seine Grenzen.

Vor allem, wenn es über das stille Gedenken an eine Tragödie wie dem 13. bis 15. Februar 1945 mit einseitigen, alljährlich neu aufgelegten Phrasen hinausgeht.

Vor allem bleibt die Frage ungeklärt, welche Worte dieselben Leute wohl nach einem gewonnenen Krieg gefunden hätten, denn dem Zeitgeist angepaßte Reden gab es schon immer – ob nach 1871, 1914, 1933 oder jetzt noch 70 Jahre nach 1945.

Wurde noch bis kurz vor der Katastrophe der Schutz Gottes für den Endsieg selbst von den Kanzeln gepredigt, so werden heute so gewichtig wirkende Worte vom „Krieg, der von Deutschland ausging“ und an jenem 4. Dezember 1944 zurückgekommen sei gedrechselt.

Kein Wort ist von den ideologisch geprägten Anklägern darüber zu vernehmen, daß der Kriegsausbruch erst mit Hilfe des „Hitler-Stalin-Paktes“ als Bündnis der zwei mächtigsten Diktatoren möglich war und von Rußland genauso ausgegangen ist, wie es von Deutschland als allein Schuldigem heute suggeriert wird.

Kein Wort davon, daß England und Frankreich nur Deutschland den Krieg erklärt hat und nicht auch den am Polen-Krieg beteiligten Sowjets.

Kein Wort davon, daß die USA den ihnen als millionenfach bekannten Menschenschinder und -schlächter Stalin mit Waffenlieferungen auf Kosten der eigenen Bürger unterstützt hat.

Und selbstverständlich auch kein Wort darüber, daß es sich bei den Angriffen auf Dresden und die vielen anderen deutschen Städte um keine Heldentaten gehandelt hat, sondern um Kriegsverbrechen, dem hunderttausende Unschuldige, Kinder, Frauen, Alte zum Opfer fielen und an deren Gräbern nur von den Angehörigen nicht geheuchelt wird.

Dafür Selbstbeschuldigung pur, doch so verpackt, als sei man selbst dem Guten entsprungen, um sich als Sachwalter der absoluten Wahrheit darstellen zu können.

Doch die Bomben auf Dresden galten an auch im Februar 1945 nicht – wie in Coventry – dem Industriezentrum, sondern, wie auch beim alliierten Bombenkrieg auf andere Städte, der Zivilbevölkerung.

Und diese waren nun einmal nicht selbst schuld an dem, was ihnen angetan wurde.

Daß „nirgends mehr als an Gräbern gelogen wird“ ist ein bekanntes geflügeltes Wort, die Feigheit aber, alle Wahrheit ungeschönt beim Namen zu nennen ist der weitere dem Zeitgeist und der Anpassungsfähigkeit zu verdankende Punkt.

Wer es dennoch wagt, wird schon vorbeugend in bewährt populistischer Manier als Ewiggestriger von jenen gebrandtmarkt, die garnicht bemerken, wie sehr sie selbst im Ewiggestrigen verharrend daraus den oft politisch opportunen Nutzen ziehen.

Den Gipfel der Heuchelei erklomm jetzt aber der Dresdner Oberbürgermeister Hilpert mit seinem Kotau gegenüber der Sächsischen Zeitung: „Es gibt immer noch Versuche, die Geschichte umzudeuten und Dresden in einem Opfermythos dastehen zu lassen“ und der Behauptung: „Dresden war keine unschuldige Stadt, das wurde wissenschaftlich ausgewertet.“

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Ein Gedanke zu “Dresdens OB: „Dresden war keine unschuldige Stadt!“

  1. Der britische Diplomat Harold Nicolson
    hatte die Bombardierung Dresdens als „the greatest single holocaust by war“ bezeichnet.—

    „Erst wenn die Kriegspropaganda der Sieger in die Geschichtsbücher der Besiegten Einzug gehalten hat und von den nachfolgenden Generationen geglaubt wird, kann die Umerziehung als wirklich gelungen angesehen werden“. Walter Lippmann (Us-amerikanischen Journalist,1889-1974)

    „Ich wollte Held sein, aber ich bin Terrorflieger geworden.
    Ich kann dieses Kriegsverbrechen nicht verteidigen.“
    Harold Nash, Britisches Bombenkommando
    Der Bombenkrieg, ZDF, 04.02.2003

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