CDU: „Wir machen einen so intensiven Haustürwahlkampf wie noch nie!“

CDU-Generalsekretär Dr. Peter Tauber gab der „Frankfurter Neuen Presse“ das folgende Interview.

Tauber: Wir machen einen so intensiven Haustürwahlkampf wie noch nie

Frankfurter Neue Presse: Was, Herr Tauber, war Ihr schlimmster Alptraum in den Wochen, als die SPD und Martin Schulz in den Umfragen durch die Decke gingen?

Tauber: Üblicherweise schlafe ich traumlos.

Frage: Man hat ja auch manchmal Tagträume…

Tauber: Mein Kalender lässt dafür wenig Zeit… Aber im Ernst: Ich war ziemlich ruhig, weil ich von der Richtigkeit unserer Strategie überzeugt war und bin.

Frage: Andere in der CDU offenbar nicht. Es kam der Tag, an dem Sie selbst Ihre Teil-Entmachtung verkünden mussten. Wie fühlte sich das an – und was macht das mit einem?

Tauber: Es war ja absehbar, dass das so interpretiert wird. Aber dennoch war es richtig. Ich habe mit Peter Altmaier und Angela Merkel vorher lange darüber geredet. Wenn man sagt, dieser Wahlkampf wird anders als die zurückliegenden, dann muss man auch etwas anders machen. Und dann darf der Generalsekretär nicht vor allem seinen Hof bewachen und alle Kompetenzen für sich beanspruchen. Diesmal ist eine Aufgabenverteilung klug.

Frage: Dass Sie etwas klug finden, heißt aber nicht, dass es genau das ist, was Sie wollen. Und wenn die externe Wahrnehmung ist, der Altmaier ist jetzt der General und der Tauber nur noch der Sekretär…

Tauber: Für die Partei ist diese Debatte unerheblich. Natürlich lese ich nicht gerne negative Schlagzeilen über mich. Aber man hat in diesem Amt eine dienende Funktion für ein übergeordnetes Ziel. Und meines ist, dass die Union am 24. September so stark abschneidet, dass Angela Merkel unserem Land weiter dienen kann. Dem ordnet sich alles unter.

Frage: Am Tag danach haben Sie gesagt „Ich bin der Generalsekretär und ich leite den Wahlkampf.“ Das klang ein bisschen trotzig…

Tauber: Nein, nicht trotzig. Es ist einfach so. Ich bin viel an der Basis unterwegs…

Frage: …und drücken sich gerade elegant darum, einen Blick auf Ihre Gefühle zu erlauben.

Tauber: Weil das nicht entscheidend ist. Als Spitzenpolitiker hat man immer wieder schwierige Momente. Aber da bin ich preußisch: Es geht nicht um mich. Als Generalsekretär bin ich auch mal Prellbock, da ist nicht zwingend Peter Tauber gemeint.

Frage: Als Angela Merkel Sie ausgewählt hat, war genau Peter Tauber gemeint – denn sie wollte einen, der für eine modernere, smartere, städtischere Union steht.

Tauber: Ich bin doch ein Landei, auch wenn wir in Gelnhausen ein gesundes Selbstbewusstsein haben. Aber klar, ich stehe für bestimmte Dinge, auch als Person. Das kann man nicht trennen. Es geht jedoch nicht um meine Befindlichkeiten. Eitelkeit ist keine gute Tugend für einen Generalsekretär.

Frage: Welche dann?

Tauber: Demut.

Frage: Das heißt, Sie leben demütig damit, wenn jetzt neben der Kanzlerin als Verkörperung der CDU-Inhalte Peter Altmaier steht…

Tauber: In diesem Wahlkampf kommt es darauf an zu zeigen, dass wir viele profilierte Köpfe haben. Das Programm ist eine Gemeinschaftsaufgabe, das Peter Altmaier und ich zusammen mit Andreas Scheuer vorbereiten. Und wir machen einen so intensiven Haustürwahlkampf wie noch nie. Da ist viel zu tun. Deshalb verteilen wir Aufgaben.

Frage: 2013 war alles ganz einfach: Die CDU hat mit einem Foto von der Merkel-Raute und dem Satz „Sie kennen mich“ einen fulminanten Sieg eingefahren. Warum reicht das 2017 nicht mehr?

Tauber: Wenn alle, die finden, dass die Bundeskanzlerin einen guten Job macht und weitermachen soll, CDU wählen würden – dann würde das ein entspannter Wahlkampf. Wir müssen als Partei aber erklären, was wir in den nächsten vier Jahren noch besser machen wollen, auf Basis einer tollen Bilanz. Und wir stehen eben vor sehr großen Herausforderungen: Hat vor einem Jahr jemand an den Brexit gedacht oder an Donald Trump als US-Präsidenten?

Frage: Ist das nicht ein Widerspruch: Einerseits mit Ruhe und Gelassenheit auf Schulz reagieren – andererseits reicht es nicht mehr „Merkel muss Kanzlerin bleiben“ zu sagen?

Tauber: Kandidat Schulz führt doch vor allem die Rolle rückwärts auf und arbeitet sich an der Vergangenheit ab. Wir planen mit unserem Regierungsprogramm bis 2025. Wir wollen dieses Land in eine gute Zukunft führen.

Frage: Zwischen Schulz´ 2010 und Ihrem 2025 aber liegt – jetzt. Was ist in Zeiten von Brexit und Trump mit 2018, 2019?

Tauber: Viele in Europa und der Welt beneiden uns darum, wie gut Deutschland dasteht – wirtschaftlich und sozial. Das bleibt aber nicht automatisch so. Deshalb planen wir Entlastungen für Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen, wir machen Angebote für die, die Kinder bekommen und die Zukunft des Landes sichern…

Frage: …aber wird von der vergessenen gesellschaftlichen Mitte nicht immer kurz vor Wahlen geredet?

Tauber: Wir mussten erstmal die Spielräume dafür schaffen. Und jetzt bekommen die, die jeden Tag hart arbeiten, etwas zurück.

Frage: Mit der größten Steuerentlastung aller Zeiten, die Horst Seehofer angekündigt hat?

Tauber: Wolfgang Schäuble beziffert den Spielraum auf 15 Milliarden Euro. Wir haben unsere Versprechen des letzten Wahlkampfes gehalten: Wir haben die Mütterrente verbessert, keine neuen Schulden gemacht und keine Steuern erhöht. Und wir werden auch dieses Mal wieder Wort halten. Wer unser Partner sein will, muss diesen Weg mitgehen.

Frage: Vorerst müssen sie sich gegen Ihre Gegner durchsetzen. Wer sind die eigentlich: AfD? FDP? SPD? Oder die CSU?

Tauber: Ach, kein Grund für Polemik. Ich habe immer gesagt: Hauptgegner sind nicht die AfD und „Social Bots“ aus Russland – sondern die SPD.

Frage: Und wer sollen oder könnten nach dem 24. September die Partner sein?

Tauber: Ich halte wenig von diesen Farbenspielen. Wenn unser Regierungsprogramm fertig ist, wird klar sein: Was sind unsere wichtigsten Punkte. Wer mit uns regieren will, sollte möglichst alle mittragen.

Frage: Wie groß ist Ihre Angst, dass Sie sich am Ende doch wieder in einer großen Koalition wiederfinden – mit Martin Schulz?

Tauber: So wie die SPD sich zur Zeit verhält, tun ihr vier Jahre Opposition ganz gut.

Frage: Im Moment umwirbt Schulz eher Ihren Lieblingspartner FDP…

Tauber: …was aber ein reines Ablenkungsmanöver ist, weil er nur eine Option hat, Kanzler zu werden: Rot-Rot-Grün.

Frage: Oder einen Juniorpartner Union.

Tauber: Ich bitte Sie! Der Abstand in Umfragen wird wieder größer.

Frage: Wollten Sie nicht die roten Socken im Mülleimer lassen?

Tauber: Keine roten Socken, nein. Man muss den Wählern sagen: Wer Martin Schulz will, bekommt die Linkspartei mit. Aber wir wollen das sachlich machen, sagen, dass zum Beispiel eine Außenministerin Sahra Wagenknecht aus der Nato raus will.

Frage: Im Saarland hat die Warnung vor den Linken ja gut funktioniert.

Tauber: Auf 40 Prozent haben nicht viele gewettet, in der Tat.

Frage: Sind die Mai-Wahlen in Schleswig-Holstein und NRW jetzt wirkliche Probeläufe für den Bund?

Tauber: Jede Wahl steht für sich. Aber so, wie ich gerade die CDU vor Ort erlebe, wird sich die SPD in beiden Ländern – trotz steigender Temperaturen – warm anziehen müssen.

Frage: Und während Sie dort beschäftigt sind, klaut Horst Seehofer Ihnen für den Bund schon mal den Wahlkampf-Klassiker Sicherheit?

Tauber: Das Thema wird im gemeinsamen Wahlprogramm eine große Rolle spielen. Wir haben mit Thomas de Maizière einen sehr erfolgreichen Minister…

Frage: …der aus Bayern jetzt schon mal erfahren hat, wer sein Nachfolger wird.

Tauber: Erst mal müssen wir die Wahl gewinnen. Außerdem: Sicherheit ist ein sehr viel umfassenderes Thema. Da geht es um die Sicherheit des Arbeitsplatzes genauso wie um die Frage, ob Sie sich mit kleinen Kindern den Traum von den eigenen vier Wänden verwirklichen können.

Frage: Klingt nach Unions-Klassiker. Was ist eigentlich mit einem anderen namens Europa? Davon hört man von der CDU gerade wenig bis nichts – während es in den Großstädten jeden Sonntag Tausende feiern.

Tauber: Finde ich toll, aber die Parteien sollten nicht versuchen, das zu vereinnahmen.

Die Fragen stellte Cornelie Barthelme.

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