Liberale Moschee?

In keiner Religion gibt es derart viele unterschiedliche Richtungen und daraus resultierende Auseinandersetzungen bis hin zu Mord und Totschlag, wie im Islam.

Das toppt selbst die Religionskriege im mißbrauchten Namen des Christentums.
Man darf daher gespannt sein, wie vor allem Salafisten und Islamisten auf dieses „Experiment“ reagieren werden – möglicherweise hat die Berliner Polizei nun einen weiteren Brennpunkt zu schützen:

Seyran Ates´ Vision einer liberalen Moschee, in der alle Moslems gemeinsam beten können – Frauen und Männer, Sunniten und Schiiten, hetero und homo – ist fast Wirklichkeit, wie Breitbart London berichtet.

Die 54-jährige Tochter türkischer Gastarbeiter ist begeistert, als sie den lichtdurchfluteten Raum betritt, in dem noch kleinere Abschlußarbeiten erledigt werden.

„Es gibt keine größere Freude für mich. Ein Traum wird wahr“, sagt Ates mit einem Lächeln, während sie den weißen Teppichboden befühlt, den drei türkische Arbeiter in dem frisch gestrichenen Raum verlegen.

Ates, eine bekannte Frauenrechtlerin und Rechtsanwältin, hat acht Jahre lang dafür gekämpft, einen Gebetsort zu schaffen, an dem progressive Moslems in Deutschland ihre religiösen Konflikte hinter sich lassen und sich darauf konzentrieren können, ihre gemeinsame islamischen Werte miteinander zu teilen. Die Moschee, die am Freitag (also heute) eröffnet, wird die erste ihrer Art für liberale Moslems in Deutschland sein, sagt Ates.

„Dieses Projekt war längst überfällig“, erklärte sie in einem Interview mit Associated Press diese Woche. „Es gibt so viel islamistischen Terror und so viel Teuflisches, das im Namen meiner Religion passiert. Daher ist es wichtig, daß wir, die modernen und liberalen Moslems, ebenfalls öffentlich Gesicht zeigen.“

Die Moschee heißt „Ibn-Rushd-Goethe-Moschee“. Sie vereint in ihrem Namen den mittelalterlichen Philosphen Ibn Rushd aus Andalusien und den deutschen Dichterfürsten Goethe. Gelegen ist sie an einer belebten Einkaufsmeile im Immigrantenviertel von Moabit, das durchsetzt ist mit indischen und vietnamesischen Restaurants und orientalischen Kaffeehäusern.

Besucher sehen sich umsonst nach einem Minarett um und warten vergeblich auf den Ruf eines Muezzins. Die Moschee befindet sich in einem großen Raum im dritten Stock einer alten lutheranischen Kirche. „Für den Anfang haben wir den Raum ein Jahr lang gemietet“, sagt Ates.

Mehr als vier Millionen Moslems leben in Deutschland, die Mehrheit davon aus der Türkei, aber viele auch vom Balkan, dem Nahen Osten und aus Nordafrika. Erst in letzter Zeit hat Deutschland mehr als eine Million Flüchtlinge aufgenommen. Die meisten von ihnen sind Flüchtlinge aus vom Krieg zerrissenen Ländern wie Syrien, Irak und Afghanistan und befinden sich erst seit 2015 im Land.

Die Beziehungen zwischen der christlichen Mehrheitsbevölkerung und der moslemischen Minderheit sind kompliziert. Belastet sind sie hauptsächlich durch verschiedene Terroranschläge, die vom Islamischen Staat in Deutschland verübt worden sind. Durchsuchungen, Verbote radikaler Gruppierungen und Verhaftungen von radikalislamischen Verdächtigen gehören in Deutschland zum Alltag.

Ates sagt, die neue Moschee wird ein Ort des Liberalismus sein, wo jedermann willkommen und gleich mit jedem anderen ist. Frauen werden kein Kopftuch tragen müssen, sie können als Imame predigen und die Gläubigen genauso zum Gebet rufen wie die Männer.

„Es wird hier keine Haßpredigten gegen die Demokratie geben“, versichert Ates. Stattdessen dürften Zweifel an islamischen Überzeugungen geäußert werden und die religiöse Hinwendung würde mit Augenmaß und Vernunft vonstatten gehen, anstatt in blinde Verehrung auszuarten.

Bedenken hinsichtlich einer möglichen Bedrohung oder Kritik durch konservative Moslems wischt die Frauenrechtlerin beiseite. Seyran Ates, auf die während ihrer Beratungsarbeit für türkische Frauen im Jahre 1984 geschossen worden war und die ihren Verletzungen damals ums Haar erlegen wäre, hat auch nach einem Angriff durch ihren außer Rand und Band geratenen Ehemann keine Angst.

„Ich habe ein paar Nachrichten über die Sozialen Netzwerke erhalten, meistens nur Beschimpfungen“, sagt sie. „Aber 95 Prozent der Nachrichten waren ermutigend und positiv.“
Türken, Kurden und Araber haben Geld gespendet, Geschäftsleute haben ihre Unterstützung angeboten, Werbung gemacht und werden kostenlos Essen anliefern, wenn am Freitag das Ende des Ramadans gefeiert wird.

Die Schwester von Seyran Ates brachte vor einigen Wochen 30 grüne Gebetsteppiche aus Istanbul mit und ein indonesischer Inenarchitekt hatte sich bereit erklärt, den 90 Quadratmeter großen Raum zu renovieren.

Für die Zukunft träumen Ates und ihre Gleichgesinnten von einer richtigen Moschee, in der es verschiedene Gebetsräume für die verschiedenen islamischen Glaubensrichtungen geben soll und an welcher auch die Ausbildung liberaler Imame – Männer und Frauen – stattfinden kann. Ates hält am heutigen Eröffnungstag selbst eine Predigt.

„Ich werde im Herbst hier in Berlin ein Studium der islamischen Theologie und eines für Arabisch beginnen“, sagt sie. „Ich möchte selbst Imam werden.“

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