Mehrere Messerstiche gegen „HoGeSa“-Gründer

Polizei sagt, es war Selbstmord

Wie kann man sich mit mehreren Messerstichen das Leben nehmen? Die Antwort bleibt die Polizei bisher schuldig – aber sie sagt, dass es in einem spektakulären Todesfall so gewesen sei. Der Gründer von „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa), Marcel K., war am Mittwoch in Mönchengladbach auf offener Straße in einer Blutlache liegend gefunden worden. Sein Körper wies zahlreiche Messerstiche auf. Die Obduktion habe ergeben: Es war Selbstmord.

Die Untersuchsresultate zur Todesursache wecken Erinnerungen an den Tod eines jungen Mannes in Köthen am 8. September. Obwohl der Deutsche von Asylbewerbern zusammengeschlagen wurde, sei er an einem Herzinfarkt gestorben, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die ihm beigebrachten Verletzungen hätten nichts mit seinem Tod zu tun. Damals lag das Obduktionsergebnis vor, bevor ein Trauermarsch starten sollte.

Auch diesmal haben mehrere Gruppen von rechten Fußball-Anhängern für heute, 18 Uhr zu einem Trauermarsch aufgerufen. Sie gingen von einem Mord aus. In die Mobilisierung platzt nun die Nachricht von der Selbsttötung. Dies habe die Obduktion ergeben, so die Mordkommission. Der Tote wohnte in Bremen und soll Kontakte zur Neonazi-Szene gehabt haben.
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Er hatte mehrere Messerstiche im Oberkörper erlitten. Die soll er sich selbst zugefügt haben. Das kommt Mönchengladbachs Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners zupass. Der CDU-Politiker hatte sich am Morgen verschreckt gezeigt. Vor Bekanntwerden des Obduktionsergebnisses schrieb er auf Facebook: „Es macht mir große Sorgen, wenn ich nach dieser schrecklichen Gewalttat im Netz Aufrufe lese, nach Mönchengladbach zu fahren und den Mörder zu jagen. Ich vertraue unserer Polizei, die alles daran setzen wird, die Tat schnellstmöglich aufzuklären, und auf unseren Rechtsstaat, der Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen wird. Besonnenheit ist jetzt auf allen Seiten das Gebot der Stunde.“

Der Tod des 32-Jährigen hatte großes Interesse in den sozialen Medien ausgelöst. Alle waren von einem Anschlag ausgegangen. Zunächst hatte auch die Polizei eine Fremdeinwirkung und somit eine Gewalttat nicht ausgeschlossen. Donnerstagvormittag wurde der Leichnam in der Rechtsmedizin Düsseldorf obduziert. Weitere Ermittlungsergebnisse wollen Staatsanwaltschaft und Polizei am Freitag in einer Pressekonferenz bekannt geben.

Zu der Demo für heute Abend, zu der auch die nordrhein-westfälische NPD aufrief, erwartet die Polizei 500 Teilnehmer. Die Menschen versammeln sich unter dem Motto „Wir trauern um Captain Flubber“. Dies ist der Spitzname von Marcel K., der auch Mitglied der Bremer Hooligan-Band „VollKontaCt“ war.

„Wir gehen von einem friedlichen Verlauf aus, sind aber vorbereitet, sollte es zu Störungen kommen“, sagte eine Polizeisprecherin am Donnerstagmittag. Die Freundin von Marcel K. lebt in Mönchengladbach. Als sie am Mittwoch zum Tatort kam, brach sie beim Anblick des übel zugerichteten Leichnams zusammen. Ein Notfallseelsorger betreut sie. (WS)

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