Hanau: Täter ein wirrer Psychopath?

Insgesamt gibt es elf Tote bei einer Schießerei am Mittwochabend in Hanau, weitere Menschen werden schwer verletzt.

Tobias R., der 43jährige mutmaßliche Täter, soll zuvor wirre Videos im Internet veröffentlicht haben.
Informationen zufolge hatte er zunächst in einer Shisha-Bar am Rande der Hanauer Innenstadt um sich geschossen.
Danach setzte er im Stadtteil Kesselstadt ebenfalls in einer Shisha-Bar duie Schießerei fort.
Nach der Schießerei wurde der mutmaßliche Täter und seine 72-jährige Mutter in seiner Wohnung tot aufgefunden.
Nach Aussagen von Zeugen erhielt die Polizei zunächst Hinweise auf ein flüchtendes Fahrzeug, das im Rahmen der Großfahndung im Ortsteil Kesselstadt ermittelt werden konnte.
Die dortige Wohnanschrift wurde weiträumig abgesperrt und durch Spezialkräfte der Polizei durchsucht. Dabei wurden die zwei weiteren Leichen aufgefunden.
Hinweise auf weitere Täter gibt es derzeit nicht.
Die Zahl der Opfer, die an den Tatorten Heumarkt und Kurt-Schumacher-Platz tödlich verletzt wurden, erhöhte sich auf neun, so dass derzeit insgesamt elf Tote zu beklagen sind.
Die Ermittlungen zur Identität der Opfer und des mutmaßlichen Täters dauern an.
Die Generalbundesanwaltschaft ermittelt jetzt laut dem hessischen Innenminister Peter Beuth wegen Terrorverdachts.
Nach jetzigen Erkenntnissen sei ein fremdenfeindliches Motiv durchaus gegeben, sagte Beuth (CDU) am Donnerstag im Landtag in Wiesbaden.
Tobias R. besaß als Sportschütze offenbar legal Waffen, soll aber den Sicherheitsbehörden nicht bekannt gewesen sein.

Terror-Experte sieht Massaker von Hanau in Zusammenhang mit „Reichsbürger-Szene“
Der „Terrorismus-Experte“ Peter Neumann geht davon aus, dass der Täter hinter der offenbar rechtsradikalen Gewalttat von Hanau aus der Reichsbürger-Szene stammt. „Es weist viel auf die Reichsbürgerbewegung hin“, sagte Neumann in einer Livesendung der „Bild“ und verwies auf Bemerkungen zu Geheimdiensten und Gehirn-Manipulation im Bekennerschreiben des vermeintlichen Täters sowie auf „teilweise widersprüchliche Verschwörungstheorien“.
Mit Blick auf das Dokument stellte Neumann außerdem fest: „Ich würde das Schreiben als Manifest beschreiben. Es ist 24 Seiten lang, es ist sehr wirr in Strecken, es werden viele Verschwörungstheorien artikuliert. Aber das was politisch drin ist, das ist vor allem rechts. Das dürfte uns eigentlich auch nicht überraschen, dieses Muster haben wir in der Vergangenheit, zum Beispiel in Halle, gesehen aber auch im Ausland – El Paso, in Neuseeland, in anderen Orten – wo sich Menschen aus dem Internet eine Ideologie zusammengebastelt haben.“

Große Bedeutung misst Neumann in diesem Kontext dem Internet bei: „Da passiert viel, was nur durch das Internet erklärt werden kann. Also die Art, wie man sich aus den unterschiedlichsten, teilweise widersprüchlichen Verschwörungstheorien eine für sich stimmige Welt sich zusammenbauen kann, aufgrund derer man dann elf Menschen umbringt – das ist, glaube ich, nur durch das Internet möglich. Das wäre vor 40 oder 50 Jahren ganz schwer vorstellbar gewesen.“

Dass es sich um rechten Terror handelt, darauf würde er sich „aktuell schon festlegen“.

Tatsächlich soll anderen Berichten aus Sicherheitskreisen zufolge Tobias R. wenige Tage vor der Tat ein Video bei Youtube veröffentlicht haben, in dem er in fließendem Englisch von einer “persönlichen Botschaft an alle Amerikaner” sprach und behauptete, in den USA würden unterirdische Militäreinrichtungen existieren, in denen dem Teufel gehuldigt und Kinder misshandelt und getötet würden.
Die Amerikaner forderte er auf, „gegen diese Zustände“ zu kämpfen.

Reaktionen
„Die Gedanken sind heute morgen bei den Menschen in Hanau, in deren Mitte ein entsetzliches Verbrechen begangen wurde“, schrieb Regierungssprecher Steffen Seibertim Namen der Bundesregierung.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU): „Es geht jetzt erst einmal darum, den Angehörigen unsere Anteilnahme auszudrücken, an die Opfer zu denken.“

Zu der Gewalttat in Hanau teilen die Vorsitzenden der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag, Alice Weidel und Alexander Gauland, mit: „Das abscheuliche Verbrechen in Hanau erschüttert uns zutiefst und macht uns fassungslos. Unsere Gedanken und unser Mitgefühl gelten den Opfern dieser grauenvollen Gewalttat und ihren Angehörigen. Den Verletzten wünschen wir eine schnelle Genesung.“

Der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD): „Meine Gedanken sind bei den Familien und Freunden der Opfer. Ihnen gilt mein tief empfundendes Beileid.“

Der Grünen-Politiker Omid Nouripour aus Frankfurt:  „Ich kenne die Identität und die Motive des Täters noch nicht. Ich weiß nur, dass Entsetzliches passiert ist.“

„Der sinnlose Verlust von Menschenleben ist eine Tragödie – egal wo er vorkommt“, schrieb EU-Ratspräsident Charles Michel .

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen: „Die Tragödie, die sich gestern Nacht in Hanau ereignet hat, hat mich zutiefst erschüttert.“

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