Anklage wegen Auftragsmord erhoben

Anklage gegen Vadim K. alias Vadim S. wegen Mordes zum Nachteil des georgischen Staatsangehörigen Tornike K. erhoben

Die Bundesanwaltschaft hat am 18. Juni 2020 vor dem Staatsschutzsenat des Kammergerichts in Berlin Anklage gegen den russischen Staatsangehörigen Vadim K. alias Vadim S. erhoben.

Der Angeschuldigte ist des Mordes (§ 211 StGB) hinreichend verdächtig. Darüber
hinaus wird ihm tateinheitlich ein Verstoß gegen das Waffengesetz (§ 52 Abs. 1
Nr. 2 lit. b WaffG) zur Last gelegt.

In der Anklageschrift ist im Wesentlichen folgender Sachverhalt dargelegt:

Zu einem nicht näher bekannten Zeitpunkt vor dem 18. Juli 2019 erteilten
staatliche Stellen der Zentralregierung der Russischen Föderation dem
Angeschuldigten den Auftrag, den georgischen Staatsangehörigen tschetschenischer
Abstammung Tornike K. zu liquidieren. Dieser hielt sich seit Ende 2016 als
Asylbewerber in Deutschland auf. Hintergrund des Tötungsauftrags war die
Gegnerschaft des späteren Opfers zum russischen Zentralstaat, zu den Regierungen
seiner Autonomen Teilrepubliken Tschetschenien und Inguschetien sowie zu der
pro-russischen Regierung Georgiens. So hatte Tornike K. im zweiten
Tschetschenienkrieg in den Jahren 2000 bis 2004 als Anführer einer
tschetschenischen Miliz gegen die Russische Föderation gekämpft. Anschließend
hatte er im Jahre 2008 im Auftrag der georgischen Regierung eine Einheit von
Freiwilligen zur Verteidigung Südossetiens zusammengestellt, die allerdings
aufgrund der Friedensverhandlungen im georgisch-russischen Krieg nicht mehr zum
Einsatz gekommen war. Zudem stuften russische Behörden Tornike K. als
Terroristen ein und warfen ihm vor, Mitglied der terroristischen Vereinigung
„Kaukasisches Emirat“ zu sein.

Der Angeschuldigte nahm den staatlichen Tötungsauftrag an. Entweder erhoffte er
sich eine finanzielle Entlohnung oder er teilte das Motiv seiner Auftraggeber,
einen politischen Gegner zu töten und hierdurch Vergeltung für die Beteiligung
an früheren Konflikten mit Russland zu üben.

Zur Durchführung des erhaltenen Auftrags flog Vadim K. am 17. August 2019
zunächst von Moskau nach Paris und von dort am 20. August 2019 weiter nach
Warschau. Am Morgen des 22. August 2019 verließ er sodann das von ihm bezogene
Hotel in der polnischen Hauptstadt und begab sich auf nicht näher aufklärbarem
Weg zur Ausführung der Tat nach Berlin, wo er frühestens am Mittag desselben
Tages eintraf. Für die Einreise in den Schengen-Raum nutzte Vadim K. einen auf
die Alias-Personalien Vadim S. lautenden Reisepass, der erst am 18. Juli 2019
durch die Einwanderungsbehörde (UMVD) in Bryansk (Russische Föderation)
ausgestellt worden war. Unter Vorlage dieses Reisepasses und Verwendung der
Alias-Personalien hatte der Angeschuldigte kurz nach der Ausstellung des
Ausweisdokuments bei dem Generalkonsulat der Französischen Republik in Moskau
ein Visum für den Schengen-Raum beantragt und am 30. Juli 2019 erhalten.

Den staatlichen Tötungsauftrag führte Vadim K. schließlich am Mittag des 23.
August 2019 aus. In der Berliner Parkanlage „Kleiner Tiergarten“ näherte er sich
Tornike K. auf einem Fahrrad von hinten. Als er das arg- und wehrlose Opfer
erreicht hatte, feuerte er mit einer mitgeführten Pistole des Typs „Glock 26“,
die mit einem Schalldämpfer versehen war, seitlich auf den Oberköper des Tornike
K. Durch die Wirkung des eingedrungenen Projektils stürzte der Geschädigte zu
Boden. Auch der Angeschuldigte kam mit dem Fahrrad zu Fall, trat aber
unmittelbar darauf an den Getroffenen heran und feuerte zwei weitere Schüsse auf
dessen Kopf ab. Tornike K. verstarb noch am Tatort an den Folgen der beiden
Kopfschüsse.

Der Angeschuldigte wurde kurz nach der Tat in der Nähe des Tatorts vorläufig
festgenommen. Er befindet sich seit dem 24. August 2019 in Untersuchungshaft,
zunächst aufgrund des Haftbefehls des Amtsgerichts Tiergarten und zuletzt
aufgrund des Haftbefehls des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofs vom 11.
Februar 2020. Die Bundesanwaltschaft hatte das ursprünglich bei der
Staatsanwaltschaft Berlin geführte Ermittlungsverfahren wegen des Mordes zum
Nachteil von Tornike K. am 4. Dezember 2019 an sich gezogen.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.