„IS“-Mitglied festgenommen

Festnahme wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in der ausländischen terroristischen Vereinigung „Islamischer Staat (IS)“ u.a.

Die Bundesanwaltschaft hat heute (20. Dezember 2020) aufgrund
eines Haftbefehls des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofs vom 20. Mai
2020 die

deutsche Staatsangehörige Leonora M.

bei ihrer Einreise am Flughafen Frankfurt am Main durch Beamte des
Landeskriminalamtes Sachsen-Anhalt festnehmen lassen.

Die Beschuldigte ist teilweise als Jugendliche mit Verantwortungsreife,
teilweise als Heranwachsende der Mitgliedschaft in einer terroristischen
Vereinigung im Ausland (§ 129a Abs. 1 Nr. 1 StGB, § 129b Abs. 1 Sätze 1 und 2
StGB) in drei Fällen dringend verdächtig, Zudem besteht der dringende
Tatverdacht der Beihilfe zu einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit (§ 7 Abs.
1 Nr. 3 VStGB, § 27 StGB) sowie des Verstoßes gegen das Waffengesetz (§ 52 Abs.
1 Nr. 2 lit. b) WaffG).

In dem Haftbefehl wird der Beschuldigten im Wesentlichen folgender Sachverhalt
zur Last gelegt:

Leonora M. reiste als 15-Jährige im März 2015 nach Syrien aus und schloss sich
dort der ausländischen terroristischen Vereinigung „Islamischer Staat (IS)“ an.
Sie heiratete nach ihrer Ankunft in Syrien nach islamischem Ritus einen
Angehörigen des „IS“-Geheimdienstes und wurde dessen „Drittfrau“. In Raqqa
kümmerte sich die Beschuldigte in der Folge zur Stärkung der Terrororganisation
nicht nur um die häusliche Arbeit und die Erziehung der zwischenzeitlich zwei
gemeinsamen Kinder, sondern arbeitete zusätzlich noch einige Zeit in einem
„IS“-Krankenhaus als Pflegekraft. Neben monatlichen Unterstützungszahlungen in
Höhe von 50 US-Dollar erhielt sie von der Vereinigung zudem noch eine
halbautomatische Selbstladepistole der Marke Glock.

Ende des Jahres 2015 erwarb der Ehemann der Beschuldigten im Zuge des
systematischen und ausgedehnten Angriffs des „IS“ gegen die Jesiden eine Frau
jesidischen Glaubens als Sklavin mit dem Ziel, diese nebst ihren beiden Kindern
gewinnbringend weiterzuveräußern. Leonora M. unterstützte dieses tatsächlich
auch realisierte Vorhaben und sorgte deshalb gezielt dafür, den schlechten
Allgemeinzustand der jesidischen Frau zu verbessern. Gleichzeitig war die
Beschuldigte aber bestrebt, die Jesidin von ihren aus Sicht des „IS“ als
Irrglauben angesehenen religiösen Überzeugungen weg und zu dem seitens des „IS“
vertretenen Islamverständnis hinzuführen.

Aufgrund der anhaltenden Kämpfe um Raqqa floh die Beschuldigte zusammen mit
ihrem Ehemann und den zwei gemeinsamen Kindern im Sommer 2017 aus der Stadt. Die
weiteren Gebietsverluste des „IS“ in Syrien zwangen sie auch im Anschluss zu
weiteren Umzügen, bis Leonora M. dann mit ihren beiden Kindern Anfang Januar
2019 in ein Flüchtlingslager aufgenommen wurde, in dem sie bis zu ihrer Ausreise
lebte.

Die Beschuldigte wird heute dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs
vorgeführt, der ihr den Haftbefehl eröffnen und über den Vollzug von
Untersuchungshaft entscheiden wird.

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